HEIDELBERGER NACHRICHTEN




Eingehüllt wie eine Mumie legten sich gestern 100 Menschen auf die Hauptstraße, um so an die Toten des Zweiten Weltkriegs zu erinnern; auch Regen und kühle Temperaturen schreckten die Teilnehmer, darunter viele junge Menschen, nicht. Ausgedacht hatte sich die Aktion der Heidelberger Künstler Patris Semma. Foto:N:N

Bewegungslos und Mumien gleich

Spektakuläre Aktion gegen den Krieg


Von Ingeborg Salomon

Zwischen der fünfjährigen Lizzy und dem 19-jährigen Jan liegen nicht nur 14 Le­bens­jah­re sondern auch über 100 Zen­ti­me­ter Kör­per­größe. Deshalb bildete die kleine Lizzy den Anfang, der 2,10 Meter große Gym­na­siast den Schluss der Men­schen­rei­he, die sich gestern Nach­mit­tag in weiße Tücher gehüllt der Größe nach auf die Hauptstraße legten. Zwischen Markt­platz und Ca­fe Jour­nal nah­men rund 100 Men­schen an einer Aktion des Heidelberger Künstlers Patris Semma teil, die an die Toten des Zweiten Weltkriegs erinnern sollte
Die Teilnehmer, darunter viele Schüler, zeig­ten großen Enthusiasmus, denn nach­dem es heftig geregnet hatte, lud das nasse Stras­sen­pflaster nicht gerade zum ge­müt­lichen Ab­liegen ein; pünktlich zum Ak­tions­be­ginn setz­te sich dann aber die Sonne durch, so dass die Aktion doch nicht, wie bei Regen geplant, in die Providenzkirche ausweichen musste. "Geht schon, mir ist überhaupt nicht kalt", meinte eine der Teil­neh­me­rin­nen, die bewegungslos und Mumien gleich in ein weißes Bettuch gewickelt dalag.

Patris Semma, der sich seit einige Jahren mit dem Thema "Mensch und Tod" aus­ein­ander setzt, will dieser Aktion an die Sinn­losigkeit von Krieg und Völkermord er­in­nern. Das gelang problemlos, viele Passanten blieben stehen, schauten, fragten und dis­ku­tier­ten mit den Teilnehmern; dabei wurde bei älteren Ge­ne­ra­tion so manche Erinnerung an das Kriegsende wach. Mit dabei war auch die Fotografin Gülay Keskin, die die Fotos dieser Aktion vom 30. Mai bis 2. Juni in der Galerie Melnikow ausstellen wird.


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